Schöne Kirmes!

Das Scherberger Königsspiel wünscht allen eine schöne Kirmes und tolles Wetter. Diese Homepage ruht traditionell während der Kirmestage.

Happy Hour – Drink doch ejne met…

Auch in diesem Jahr wird unser Zeltwirt eine Happy Hour im Festzelt anbieten. Kirmessamstag und Kirmessonntag von 21.00 Uhr bis 22.00 Uhr, sowie Kirmesmontag, auf dem Frühschoppen von 12.30 Uhr bis 13.30 Uhr. In den genannten Stunden können Sie Ihr Bier bzw. alle alkoholfreien Getränke zum sagenhaften Preis von 1,00 € bestellen.

Gewinne, Gewinne, Gewinne

Die Lose für unsere große Tombola am Kirmesdienstag können wieder zum Stückpreis von 0,25 € käuflich erworben werden. Wenden Sie sich hierzu bitte an die Spielspitze bzw. die aktiven Maijungen und Maimädchen. Die Preise setzen sich wie folgt zusammen:

1. Preis: 250,00 €
2. Preis: 150,00 €
3. Preis: 100,00 € … und darüber hinaus viele Sachpreise.

Die Veröffentlichung der Preislisten erfolgt u. a. wie gewohnt auf dieser Website. Andere Orte für die Aushänge der Preislisten sowie der Ort für die Preisausgabe werden noch zu einem späteren Zeitpunkt bekannt gegeben.

Nachspiel in Scherberg

Das Nachspiel des Scherberger Königsspiels findet am 13. Juli 2019 (nicht am 6. Juli 2019), ab 16.00 Uhr, auf der Schützenwiese der St. Hubertus Schützenbruderschaft Würselen-Scherberg 1894 e.V. statt. Geboten werden Kaffee und Kuchen, Spezialitäten vom Grill und natürlich Frisches vom Fass.

Öm de Uestere jöhnt sich die Faaste uus

Wenn in der Walpurgisnacht vom 30. April auf den 1. Mai eine Schar junger Männer durch die Straßen Scherbergs zieht, handelt es sich mit hoher Wahrscheinlichkeit um die Scherberger Maijungen. In der sogenannten „Mainacht“ ziehen jene durch das Stadtviertel, um die unverheirateten jungen Frauen mit dem Mailied auszurufen.

Der Text des Mailiedes, das ursprünglich aus vier verschiedenen Elementen zusammengesetzt wurde, ist für den ein oder anderen, der den Maijungen in jener Nacht begegnet und der ihnen beim Singen zuhört, manchmal nicht so einfach zu verstehen. Hierfür gibt es einige Erklärungsansätze: Zum einen wird das Lied zu weiten Teilen in Wöschelter Mundart, spricht Platt gesungen. Dies ist für viele heutzutage ohnehin schon schwer zu verstehen, weil in immer weniger Haushalten Platt gesprochen wird. Zum anderen unterliegt die Sangesqualität der Maijungen von Jahr zu Jahr auch gewissen Schwankungen und mit fortgeschrittener Stunde leidet die Reinheit der Sprache und des „Gesangs“ der Maijungen auch unter dem Konsum des ein oder anderen Bierchens, was oftmals dazu führt, dass die Qualität des Gesangs deutlich unter dessen Lautstärke liegt.

Im ersten Element dieses Liedes, das in ähnlicher Form von allen Würselener Jungenspielen gesungen wird, heißt es:

Öm de Uestere jöhnt sich die Faaste uus
und dann längen sich die Tage.
Und dann kommt sich der Mai, der geliebte Kohlemai,
und dann kommt er sich heran-gegangen.

In meines Vaters Garten, da steht ein Lindenbaum.
Dieser Baum und der war grüne.
Auf dem Baume da saß sich eine graue Nachtigall,
und sie sang uns von der Lieb‘ – so schöne.

Interessant im ersten Element ist insbesondere der Vers, in dem es heißt „und dann kommt sich der Mai, der geliebte Kohlemai“, denn der Ausdruck „Kohlemai“, ist so im Sprachgebrauch nicht üblich.

Was hat es also damit auf sich?

Einige sind der Überzeugung, dass der Kohlemai im Zusammenhang mit der Kohle stehen, die über Jahrhunderte eine große Rolle im Wurmtal und in Würselen gespielt hat. Andere glauben, dass dieser Teil in Verbindung mit Köhlerei und den Köhlern stünde, da jene früher in Würselen und Umgebung in den dichten Laubwäldern häufig anzutreffen gewesen seien.

Vergleicht man jedoch den Ursprungstext des Mailiedes, einem fünfzehnstrophigen Mailehnlied, aus dem sich das heutige Mailied ableitet, heißt es: „… onn planz‘ dynne Mei, dynne Koulle-Mei …“.

In der alten Fassung ist mitnichten vom Monat Mai selbst die Rede, sondern vielmehr vom Maibuschen, den man am Haus des Mädchens anbrachte. Schaut man nämlich auf die mögliche Wortverwandtschaft des Wortes „Koulle“ mit der des mundartlichen „Kuell“ für Stock und noch weiter zurück mit dem lateinischen Wort „caulis“, das übersetzt ebenfalls Stiel, Stock (oder auch Kohl) bedeutet, kommt man eher zum Schluss, dass es sich beim „Kohlemai“ um einen Stock Maigrün, genauer um einen Maibuschen handeln muss.

Aber trotz diesem kleinen „Übersetzungsfehler“ ist es dennoch schön, dass in jeder Mainacht traditionell dieses Lied in den Straßen Würselens und Scherbergs zu hören ist.

Christoph Schirmel

Quellen:
Kurt Michels: Die Würselener Jungenspiele (1980, Kölling)

Der Maiknecht – Ein Blick in die Sprachgeschichte

In der Rangordnung des Scherberger Jungenspiels steht der Maiknecht gleich hinter dem Maikönig. Im Rahmen der jährlichen Neuwahlen wird er, wie auch der Rest der männlichen Spielspitze, auf der Maijungenversammlung gewählt. Als Begleiter und Stellvertreter des Maikönigs erfüllt er einen Großteil von dessen Aufgaben und unterstützt ihn stets tatkräftig bei der Koordination der Maijungen und der Organisation des Maiballs und der Kirmes.

Betrachtet man die Etymologie des Wortes erscheint es ein wenig widersprüchlich, dass der Maiknecht als „Knecht“ bezeichnet wird. Denn das Wort Knecht leitet sich vom altdeutschen Wort „kneht“ ab, das im achten Jahrhundert einen Diener, Untergebenen, Unfreien oder Unterdrückten bezeichnete. Im Mittelalter waren Knechte Landarbeiter, die entweder durch lehensrechtliche Bindung oder durch Lohnabhängigkeit die Stellung eines Untergebenen innehatten. Die Aufgaben eines Knechtes waren ausschließlich körperlich: Als Landarbeiter musste er – unabhängig von Wetter, Jahreszeit, Hofgröße und Wirtschaftsform – harte Arbeit auf dem Feld und dem Hof leisten. Im Unterschied zur Sklaverei waren Knechte allerdings in der menschlichen Würde durch die Gleichheit vor Gott ihren Herren gleichgestellt und sie konnten durch Heirat oder Erbschaft in die Position des Bauern aufsteigen. Faktisch wich die Lebenswirklichkeit jedoch meist vom christlichen Gleichheitsgedanken ab. Nicht umsonst bezeichnete der Begriff „Knechtschaft“ seit der Bibelübersetzung durch Luther im 16. Jahrhundert einen Zustand der Rechtslosigkeit und Ausbeutung.

Wie kann nun ein solcher Begriff die Bezeichnung für den Stellvertreter des Maikönigs angemessen sein?

Hierfür ist es hilfreich, den sprachgeschichtlichen Hintergrund des Wortes genauer zu betrachten, denn das Wort „kneht“ war im frühen Mittelalter auch die mittelhochdeutsche und angelsächsische Bezeichnung für einen Knaben, Jüngling oder auch einen jungen Mann in lernender und dienender Stellung. Dies wird am verwandten englischen Wort „knight“ (deutsch: Ritter) deutlich. Jenes erhielt etwa im Laufe der Zeit in der englischen Sprache eine deutliche Aufwertung, denn ein Ritter ist auch heutzutage noch ein Herr von vornehmem Stand, der für die Wertevorstellung der Ritterlichkeit steht: Demut, Freundlichkeit, Treue und Tapferkeit. Auch im deutschen Sprachgebrauch war der Knecht militärgeschichtlich stets ein neutraler Gegensatz zum Ritter. Im Kriegswesen kannte man Fußknechte und Waffenknechte als unverzichtbare Soldaten. Damals austauschbar und in engster Verwandtschaft stehen die Begriffe „Knappe“ und „Knecht“, die beide einen – oft aus dem Adel stammenden – Jungen bezeichnete, der bei einem Ritter in der Lehre stand.

Auch der Begriff des Maiknechts entstammt also der Herkunft des frühmittelalterlichen „kneht“ und ihm gebührt Ruhm und Ehre im Jungenspiel.

Selbst optisch erkennt man bestens, dass der Maiknecht seinem Stand gerecht wird: Im Festumzug trägt der Maiknecht einen schwarzen Anzug mit weißem Hemd und Fliege. Mit dabei hat er einen Zylinder, der allerdings in weiß-behandschuhten Händen und nicht auf dem Kopf getragen wird. Vervollständigt wird sein Outfit mit einer silberverbrämten Schärpe und silbernem Eichenlaub am Revers. Begleitet wird er von seiner Maimagd (rechts) und einer Ehrendame (links).

Eines darf natürlich nicht vergessen werden: Dass der Maiknecht über das gesamte Kirmesjahr durch sein großes Engagement, die Freude am Brauchtum und hohen Arbeitseinsatz einen großen Teil dazu beiträgt, dass die Kirmes gelingt und dass uns dieses Brauchtum auch in Zukunft noch lange erhalten bleibt.

Christoph Schirmel

Quellen:
Kurt Michels – Die Würselener Jungenspiele: Maibrauchtum in einer rheinischen Stadt (Kölling, 1980)
OpenThesaurus-Informationen für „Knecht“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache

Ich geh‘ mit meiner Laterne

Wenn sich am Kirmesdienstag im Festumzug Maipaare oder einzelne Aktive mit einer Laterne in der Hand Richtung Zelt begeben, ist das sozusagen eine letzte Reise. Denn was nach außen hin wie ein origineller Gag erscheint, hat durchaus auch einen emotionalen Charakter, denn sie ist das Symbol dafür, dass ihr Träger bzw. ihre Trägerin zum letzten Mal als aktiver Maijunge oder als aktives Maimädchen im Jungenspiel mitgeht. Die Laterne steht hier, wie die rote Laterne, die sich von den roten Rücklichtern des letzten Waggons eines Zuges ableitet, für das Ende. Das ist auch nicht verwunderlich, betrachtet man die Reihenfolge der Maipaare: Ganz vorne gehen der Maikönig mit Maikönigin und Ehrendame, gefolgt vom Maiknecht mit seiner Magd und einer Ehrendame. Ihnen folgen geordnet nach „Dienstjahren“ der Maijungen zuerst jüngsten Maipaare bis hin zum Ende zu den „alten Hasen“.

Mit dem letzten Weg endet nämlich auch oft ein großer Lebensabschnitt, denn insbesondere die älteren unter den Aktiven haben oft über ein Jahrzehnt an Jungenspiel-Erfahrung auf dem Buckel. Diese Erfahrung und das gesammelte Wissen über alle wichtigen Aspekte des Scherberger Jungenspiels haben Sie über die Jahre an die Jüngeren weitergegeben. Und obwohl die Sorge besteht, dass bei einem Generationensprung die Tradition verloren geht, haben die letzten 72 Jahre gezeigt, wie gut es möglich ist, die Scherberger Tradition zu erhalten.

Und so ganz verloren gehen die Ehemaligen ja nie, denn spätestens zum Maiball oder zur Kirmes trifft man sich wieder, um ausgelassen zu feiern!

Christoph Schirmel